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<title>Hans Surén</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Hans Surén</span></h1>
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<p><b>Hans Surén</b> (* <a href="10._Juni" title="10. Juni">10. Juni</a> <a href="1885" title="1885">1885</a> in <a href="Berlin" title="Berlin">Berlin</a>; † <a href="17._Februar" title="17. Februar">17. Februar</a> <a href="1972" title="1972">1972</a> ebenda) war deutscher <a href="Offizier" title="Offizier">Offizier</a>, Buchautor und ein Vorkämpfer des <a href="Freik%C3%B6rperkultur" title="Freikörperkultur">Naturismus</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<p>Der Sohn eines Hauptmannes im <a href="Gro%C3%9Fer_Generalstab" title="Großer Generalstab">Großen Generalstab</a> schlug der Familientradition entsprechend die Offizierslaufbahn ein. Er wurde 1905 Leutnant im Eisenbahnregiment 3 in <a href="Berlin" title="Berlin">Berlin</a> und <a href="Hanau" title="Hanau">Hanau</a>. Am 22.&nbsp;Juli 1912 erlangte er auf dem <a href="Flugplatz_Johannisthal" title="Flugplatz Johannisthal">Flugplatz Johannisthal</a> das Flugzeugführer-Zeugnis Nr.&nbsp;260<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und zählt somit zu den „<a href="Alte_Adler" title="Alte Adler">Alten Adlern</a>“, jenen Piloten, die vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland erfolgreich ihre Flugausbildung absolvierten. 1913 wurde er Oberleutnant der <a href="Schutztruppe_f%C3%BCr_Kamerun" title="Schutztruppe für Kamerun">Kaiserlichen Schutztruppe</a> für <a href="Kamerun_(Kolonie)" title="Kamerun (Kolonie)">Kamerun</a>.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Während des <a href="Erster_Weltkrieg" title="Erster Weltkrieg">Ersten Weltkriegs</a> war Surén am Garnisonsort <a href="Garoua" title="Garoua">Garua</a> im Norden der Kolonie stationiert. Unter seiner Mitwirkung entstanden dort zahlreiche <a href="Schanze_(Festungsbau)" title="Schanze (Festungsbau)">Wehrschanzen</a> gegen Angriffe aus der Nachbarkolonie <a href="Nigeria" title="Nigeria">Nigeria</a>. 1915 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft. 1917 wurde er in die neutrale <a href="Schweiz" title="Schweiz">Schweiz</a> ausgetauscht und bald danach nach Deutschland entlassen. Bis März 1919 nahm er an Kämpfen in Südrussland und in der <a href="T%C3%BCrkei" title="Türkei">Türkei</a> teil. Er beendete zunächst die militärische Laufbahn mit dem Dienstgrad eines Majors. Seine Kriegserlebnisse in Afrika schilderte Surén später in seinem Buch <i>Kampf um Kamerun</i>.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die englische <a href="Kriegsgefangene_des_Ersten_Weltkrieges" title="Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges">Kriegsgefangenschaft</a>, in die er 1915 geriet, öffnete ihm möglicherweise den Weg zum <a href="Sport" title="Sport">Sport</a>. Schon 1907 konnte Surén einen <a href="Punching-Ball" class="mw-redirect" title="Punching-Ball">Punching-Ball</a> aus <a href="England" title="England">England</a> übernehmen und hatte – weil für Offiziere verboten, unter falschen Namen – <a href="Boxen" title="Boxen">Boxen</a>, <a href="Ringen" title="Ringen">Ringen</a>, <a href="Fechten" title="Fechten">Fechten</a>, <a href="Hanteltraining" title="Hanteltraining">Hanteltraining</a>, <a href="Rudern" title="Rudern">Rudern</a> und <a href="Reck" title="Reck">Reckturnen</a> ausgeübt. Um Turngeräte erwerben zu können, lebte er spartanisch. Er absolvierte bei jeglicher Witterung nachts unbekleidet einen Dauerlauf. Hier deutete sich bereits seine Neigung zur <a href="Freik%C3%B6rperkultur" title="Freikörperkultur">Freikörperkultur</a> an. Später ließ er sich auch nackt mit dem Punching-Ball fotografieren.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Von 1919 bis 1924 war Surén Leiter und Lehrer der Heeresschule für Leibesübungen <a href="W%C3%BCnsdorf" title="Wünsdorf">Wünsdorf</a> bei Berlin. In seinen Lehrgängen für Leibesübungen entwarf er ein neues körperliches Leitbild für das Militär und für Männer überhaupt: Sie sollten nervenstark, witterungsresistent und durchtrainiert sein. 1920 veröffentlichte er sein erstes Buch <i>Leibesübungen</i>, das das <a href="Reichswehrministerium" title="Reichswehrministerium">Reichswehrministerium</a> 1920 zur Anschaffung empfahl. Statt zu exerzieren, sollten die Soldaten jetzt Gymnastik betreiben, u.&nbsp;a. mit dem nach seinen Angaben gefertigten <a href="Medizinball" title="Medizinball">Medizinball</a>. Er propagierte das Werfen schwerer Gegenstände sowie den Nacktlauf und das Trainieren im sogenannten Sportlehmbad. Der am Rande des Truppenübungsplatz Wünsdorf gelegene Motzener See entwickelte sich durch ihn zu einem Zentrum der Freikörperkultur in der Weimarer Republik.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>1924 verließ das Militär und begann eine Tätigkeit als freier Sportschriftsteller. Dabei versuchte er hauptsächlich die Jugend zu Freiluft- und Sonnenleben, zu gesunder, harter Leibesübung auf gymnastischer Grundlage sowie zur Einfachheit und Naturverbundenheit hinzuführen. In seinem bekanntesten Buch <i>Der Mensch und die Sonne</i> (1924) legte er seine Gedanken zum sportlichen und nackten Leben in der Sonne dar. Zahlreiche Fotografien zeigen ihn nackt im Kreise seiner Schüler.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dieses Buch wurde zu einem <a href="Bestseller" title="Bestseller">Bestseller</a> mit Weltgeltung: Bereits in den ersten beiden Jahren nach Erscheinen erlebte es 61 Auflagen, bis Ende des Zweiten Weltkrieges verkaufte es sich 250.000-mal.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Mehrere Auflagen wurden ins Englische übersetzt.
</p><p>Eine Überarbeitung erschien 1936 unter dem Titel <i>Mensch und Sonne – Arisch-olympischer Geist</i> mit stark rassistischem Einschlag und zahlreichen Zitaten aus Hitlers Buch <i><a href="Mein_Kampf" title="Mein Kampf">Mein Kampf</a></i>. So verteufelte er Juden („…orientalisches, jüdisches Nomadengift…“(S. 53)) und zitierte ausgiebig Goebbels, Rosenberg und Hitler. <a href="Adolf_Hitler" title="Adolf Hitler">Adolf Hitler</a> kannte Suréns Buch und verehrte ihn und seine Ideen. Es wurde nie bekannt, was Surén zu dieser rassistischen Ausformulierung, vielleicht auch Änderung, seiner Position veranlasste. Für ihn spricht jedoch, dass er zwar vor 1933 Aufsätze in FKK-Zeitschriften veröffentlichte, niemals aber einen Aufsatz in der NS-nahen Publikation <i>Deutsche Leibeszucht</i>.
</p><p>Später wurde er noch einmal vorübergehend als Inspekteur („Oberstarbeitsführer“) für Leibeserziehung im RAD (<a href="Reichsarbeitsdienst" title="Reichsarbeitsdienst">Reichsarbeitsdienst</a>) eingesetzt. 1920 heiratete Surén Aenne Bodenstein. Die Ehe blieb kinderlos.
</p><p>1941 wurde Surén wegen Amtsanmaßung und Führen eines falschen Titels angeklagt und 1942 wegen öffentlichen <a href="Masturbation" title="Masturbation">Masturbierens</a> aus der NSDAP ausgeschlossen und zu einer Geldstrafe verurteilt.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die letzten Jahre des Naziregimes verbrachte Surén im <a href="Altes_Zuchthaus_(Brandenburg_an_der_Havel)" title="Altes Zuchthaus (Brandenburg an der Havel)">Zuchthaus Brandenburg</a>.
</p><p>Nach 1945 zog sich Hans Surén vollkommen zurück, weil er an einem philosophischen Werk <i>Sinn unseres Lebens</i> arbeitete. Es ist nicht bekannt, ob es vollendet und verlegt wurde. Suréns Bücher gelten – abgesehen von Zitaten – als sachlich und verschafften der FKK-Bewegung viele neue Anhänger. Surén selbst gehörte jedoch nie einer FKK-Vereinigung an.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Hajo_Bernett" title="Hajo Bernett">Hajo Bernett</a>: <i>Die Ideologie der Deutschen Gymnastik</i>. In: Sportwissenschaft 8 (1) 1978, S. 7–23.</li>
<li><a href="Dietger_Pforte" title="Dietger Pforte">Dietger Pforte</a>: <i>Hans Surén – eine deutsche FKK-Karriere</i>. In: Michael Andritzky, Thomas Rautenberg (Hrsg.): <i>„Wir sind nackt und nennen uns Du“. Von Lichtfreunden und Sonnenkämpfern. Eine Geschichte der Freikörperkultur</i>. Anabas, Gießen 1989, S. 130–135.</li>
<li><a href="Giselher_Spitzer" title="Giselher Spitzer">Giselher Spitzer</a>: <i>Der deutsche Naturismus. Idee und Entwicklung einer volkserzieherischen Bewegung im Schnittfeld von Lebensreform, Sport und Politik.</i> Verlag Ingrid Czwalina, Ahrensburg bei Hamburg 1983.</li>
<li>Ders.: <i>Gymnastik und Parademarsch? Die Rolle Hans Suréns für die Einführung der Leibesübungen in der Frühzeit des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes</i>. In: G. Spitzer, Dieter Schmidt (Hrsg.): <i>Sport zwischen Eigenständigkeit und Fremdbestimmung. Pädagogische und historische Beiträge aus der Sportwissenschaft</i>. Institut für Sportwissenschaft, Bonn 1986, S. 193–212.</li>
<li>Bernd Wedemeyer-Kolwe: <i>»Der neue Mensch«. Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik</i>, Königshausen &amp; Neumann, Würzburg 2004, ISBN 978-3-8260-2772-7.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&amp;query=101817088">Literatur von und über Hans Surén</a> im Katalog der <a href="Deutsche_Nationalbibliothek" title="Deutsche Nationalbibliothek">Deutschen Nationalbibliothek</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.michis-seiten.de/seite379.html">Hans Surén</a>, Abriss der Biographie.</li>
<li>Hilmar Schmundt: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.spiegel.de/geschichte/fkk-im-dritten-reich-koerperschau-mit-nacktmodellen-a-949380.html">„FKK im ‚Dritten Reich‘ – Körperschau mit Nacktmodellen“</a> auf <i>Spiegel Online</i></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Oskar_Ursinus" title="Oskar Ursinus">Oskar Ursinus</a> (Hrsg.): <i>Flugtechnische Rundschau Inland.</i> In: <i><a href="Flugsport_(Zeitschrift)" title="Flugsport (Zeitschrift)">Flugsport</a></i>, IV.&nbsp;Jg., Nr.&nbsp;17. Flugsport, Frankfurt a.&nbsp;M. 1912, S.&nbsp;645.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Florian Hoffmann: <i>Okkupation und Militärverwaltung in Kamerun. Etablierung und Institutionalisierung des kolonialen Gewaltmonopols</i>. Teil II: <i>Die kaiserliche Schutztruppe und ihr Offizierkorps</i>. Göttingen 2007, S. 188–190.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Hans Surén: <i>Kampf um Kamerun – Garua.</i> Scherl, Berlin 1934.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Arnd_Kr%C3%BCger" title="Arnd Krüger">Arnd Krüger</a>: There Goes This Art of Manliness: Naturism and Racial Hygiene in Germany, in: <i>Journal of Sport History</i>18(Spring, 1991), 1, S. 135–158. Surén auf S. 146. <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
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<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Roman Mürkens: <i>Deutsche Sportoffiziere und englische FKK-Bewegung</i>, in: Christian Becker, <a href="Cornelia_Regin" title="Cornelia Regin">Cornelia Regin</a>, Anton Weise (Hrsg.): <i>"Als der Sport nach Hannover kam". Geschichte und Rezeption eines Kulturtransfers</i>. LIT Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-643-13152-2, S. 197–200.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Roman Mürkens, Berlin 2015, S. 201.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Thea Dorn, Richard Wagner: <i>Die deutsche Seele</i>. Knaus, 4. Auflage, 2011, S. 157ff.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Thea Dorn, Richard Wagner: <i>Die deutsche Seele</i>. Knaus, 4. Auflage, 2011, S. 161. Auf dieser Seite befindet sich auch die Abbildung einer nackten Bronzestatuette Suréns mit Medizinball.</span>
</li>
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Normdaten&nbsp;(Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/101817088">101817088</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/n97875654">n97875654</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/42216456/">42216456</a></span> | </div>
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